Alghero - Sardiniens kleines Barcelona

Barcelona: Opfer seiner eigenen Beliebtheit

Der Tourismus hat es nicht gut gemeint mit Barcelona. Dank Billigfliegern, Kreuzfahrttouristen und einer gewissen Wohnraum-Plattform platzt die Stadt aus allen Nähten. Einheimische finden keine bezahlbaren Wohnungen mehr und diejenigen, die sich trotz allem noch ein Quartier in der Altstadt leisten können, müssen mit ansehen, wie alteingesessene Läden des täglichen Bedarfs einer endlosen Reihe von Souvenirgeschäften weichen. Kein Wunder, dass Barcelona mit Städten wie Amsterdam, Venedig und Florenz an vorderster Front einer Bewegung steht, die sich gegen den Overtourism zur Wehr setzt, was unter anderem in Protestmärschen und Anti-Touristen-Graffiti zum Ausdruck kommt.

Alghero — das bessere Barcelona?

Aber es gibt noch ein anderes, geheimes Barcelona fernab des Massentourismus. Zwar kann es keine Gaudì-Kathedrale aufweisen, aber es verfügt ebenfalls über einen prachtvollen, feinsandigen Stadtstrand und über eine Altstadt mit authentischem katalanischem Flair. Um dieses von seinen Bewohnern liebevoll “Barceloneta” (Klein Barcelona) genannte Juwel zu entdecken, muss man nicht einmal nach Katalonien reisen, denn es befindet sich an der Westküste Sardiniens.

Alghero, eine katalanische Stadt auf Sardinien

Wollen wir diese Kuriosität verstehen, müssen wir auf das Jahr 1354 zurückblicken. Damals eroberten Katalanen unter Führung des Hauses Aragon die Stadt, vertrieben die rebellischen Einwohner und siedelten sich in dem von ihnen “L’Alguer” getauften Ort an, den sie zu einem wichtigen Militär- und Handelsstützpunkt ausbauten. Die mittelalterliche Stadtbefestigung mit ihren sieben Wachtürmen zeugt noch heute von dieser Zeit, und Alghero hat sich bis heute sein katalanisches Gepräge bewahrt, bis hin zu den Straßenschildern, die durchweg zweisprachig gehalten sind.

Nach wie vor wird in Alghero eine Variante des Katalanischen gesprochen, obwohl ganz Sardinien 1720 an das Haus Savoyen fiel und Katalanisch seither nicht mehr die offizielle Sprache in der Stadt ist. Auch das Brauchtum ist katalanisch geprägt. Bemerkenswert ist hier der Gesang der Sibylle als Teil der Weihnachtsmesse, eine Tradition, die früher im gesamten iberischen Raum gepflegt wurde und heute nur noch auf Mallorca und eben in Alghero praktiziert wird. Seit 2010 ist sie auf der Repräsentativen Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der Unesco vertreten. Die Mysterienprozession in der Karwoche, deren Teilnehmer weiße Kutten tragen, ist ebenfalls Teil des katalanischen Erbes.

Katalanische Küche in Alghero

Nicht auf spirituellem Gebiet, sondern ganz irdisch und handfest manifestiert sich dieses Erbe darüber hinaus in den typischen katalanischen Gerichten, die vielerorts serviert werden, zum Beispiel die Cassola de Peix, eine köstliche, kräftig gewürzte Fischsuppe, oder der Polpo alla Catalana (Tintenfischsalat); auch die Crema Bruciata zum Dessert kann ihre nahe Verwandtschaft zur berühmten Crema Catalana nicht verleugnen.

Wer also aus Rücksicht auf die Einheimischen oder das eigene Nervenkostüm auf eine Reise in das “große” Barcelona verzichtet, der findet in Sardiniens “Klein Barcelona” eine wunderbare Alternative. Auf Fragen von Freunden und Kollegen nach dem Reiseziel können Sie ja trotzdem schlicht mit “Barcelona” antworten, ohne allzu sehr zu flunkern. Denn das ist ja wohl Ehrensache: Was ich Ihnen da oben über Alghero erzählt habe, muss unter uns bleiben. Damit die “schönste Stadt Sardiniens”, wie sie von vielen genannt wird, nicht irgendwann das Schicksal ihrer großen Schwester ereilt.

Mit einem katalanischen “Adéu” verabschiedet sich für heute

Ihr Joachim Waßmann

 

Lassen Sie sich von vielfältigen Sardinien Themen inspirieren

Ganz Sardinien steht in Flammen, weil es die Tradition so will! Allein in Budoni brennt es am 17. Januar an 15 Stellen, wenn das Antoniusfeuer entzündet wird.

Weiterlesen … Sardinien in Flammen – im Namen der Kirche

Malloreddus (wörtlich: männliche Kälbchen). Auf den ersten Block könnte man sie für Gnocchi halten, doch die Ähnlichkeit endet bei der äußeren Form.

Der Jahresbeginn ist eine triste Zeit – Glanz und Glitzer von Advent und Weihnachten sind vorbei, die Bäume sind kahl, alles ist graubraun, es wird immer noch viel zu früh dunkel und die Sonne zeigt

Weiterlesen … Die Pasta-Omis von Sardinien

In Sardinien gibt es viele naturnahe unverbaute Küsten.

Eigentlich war es nur Glück, dass Sardiniens natürliche Resourcen im Zuge der touristischen Entwicklung nicht, wie anderswo, durch  Investoren im „Dienst“ des Tourismus ausgebeutet wurden.

Weiterlesen … Naturschutz auf Sardinien

Am Stadtrand von Pula in der Region Cagliari befindet sich eine der wichtigsten archäologischen Stätten von Sardinien: Die im 9. Jahrhundert v. Chr. gegründete Stadt Nora ist neben Bosa die wohl

Weiterlesen … Ein Hauch von Pompeii: Die Ruinen der antiken Stadt Nora auf Sardinien

Posada ist ein geschichtsträchtiger Ort an der Ostküste. Eine mächtige Burg, das Castello della Fava, gewährte den Bauern der Umgebung im Mittelalter Schutz vor Überfällen durch Sarazenen und

Weiterlesen … Posada

…würden Asterix und Obelix konsterniert konstatieren. In Sardinien werden nämlich zwei Osterfeste begangen, ein großes (pasca manna) und ein kleines (paschixèdda). Für Gallier unverständlich. So etwas

Weiterlesen … Die spinnen, die Sarden…