Monte Albo: Ein steiniges Vergnügen!

Natürlich fallen mir zum Stichwort „Sardinien“ als allererstes „Strand, Sand, Meer“ ein. Ich weiß mich da in guter Gesellschaft; denn im „kollektiven Tourismusbewusstsein“ sind das die alles beherrschenden Attribute. Auch unsere Gäste bestätigen das, wenn sie nach Kofferauspacken und erstem Strandgang komplett begeistert „Wie in der Karibik!“ konstatieren. In der Tat: Sardiniens Strände sind atemberaubend schön!

Monte Albo: Die „Dolomiten von Sardinien“
Die Bergwelt der Monte Albo wird dominiert von der Farbe Weiß.

Wendet man sich landeinwärts und lässt den Blick über die Landschaft schweifen, erscheint die Insel für Mitteleuropäer schroff und karg. Die Bergwelt wird dominiert von der Farbe Weiß, und daran sind Felsen schuld, die kein Grün zu dulden scheinen. Kommt man näher, wandelt sich das Bild, und lässt man sich auf die Bergwelt ein, fasziniert sie ganz ähnlich wie Strand und Meer, eben nur erst auf den zweiten Blick.

 

Wer das erleben will, bucht eine Bergtour über das Centro Servizi Tartaruga (mail@tartaruga.org). Die führt in den Monte Albo. Das ist ein 20 km langes Kalksteinmassiv, das unweit unserer Häuser an der Ostküste liegt und seiner vielen weißen Grotten und Schluchten wegen auch die „Dolomiten von Sardinien“ genannt wird.

Gipfelsturm in den Monte Albo.

Schon die Fahrt dorthin ist ein Erlebnis. Bis Siniscola bleibt man praktisch auf Höhe des Meeresspiegels. Dann aber geht es in Serpentinen von Null auf über 1000 Meter! Von kleinen Parkplätzen aus kann man das unglaubliche Panorama genießen, und schließlich erreicht man die Hütte der Bergführer. Eine kurze Rast mit einem Trunk Wasser aus der nahen Felsquelle, und dann beginnt das steinige Vergnügen: Gipfelsturm!

Der Fußweg ist anstrengend, aber nicht beschwerlich. Die Führer erklären Flora und Fauna. Ich will nicht zu viel verraten, aber so viel: Der in Deutschland mittlerweile wieder heimische Muffel stammt ursprünglich von hier, und die Italienische Botanische Gesellschaft hat den Monte Albo zu einem Biotop von nationalem Rang erklärt. Lassen Sie sich überraschen! Auch davon, dass der Monte Albo ganz weit oben eine Quelle mit Mineralwasserqualität hat, die zur Trinkwasserversorgung der gesamten Region genutzt wird. Es gibt unzählige Grotten, die meisten davon noch vollkommen unerforscht.

Verschiedene Tierarten bevölkern das raue und schroffe Gelände: der schon erwähnte Mufflon, die Alpenkrähe, der Kolkrabe, die Wildkatze, Wildschwein, Fuchs und Marder. Es gibt sogar Steinadler, und noch vor gar nicht langer Zeit konnte man auch Geier beobachten. Na klar: Es gibt auch Hirten, die hier ihre Ziegen weiden lassen und dazu Hütten errichtet haben, deren Baustil und -materialien seit Tausenden von Jahren unverändert geblieben sind. All das übt die bekannte Faszination auf den zweiten Blick aus!

Gut: Um das empfindliche Gleichgewicht der Natur auszubalancieren, sind weite Teile der Weidegründe eingezäunt. Überhaupt ist der Monte Albo ein Musterbeispiel dafür, dass in Sardinien Umweltbewusstsein eingekehrt ist.

Es ist frisch da oben, auch wenn unten die Sommerhitze die Urlauber vom Strand ins Meer treibt. Und die Höhensonne hat schon manchen unvorsichtigen Bergsteiger krebsrot aussehen lassen. Sonnenschutz ist wichtig!

Hat man den Ausflug beendet, machen sich Hunger und Durst bemerkbar. Dafür ist vorgesorgt. Eine schlichte Wanderung ohne eine Erfrischung und ohne ein Angebot für den Magen? In Sardinien ist das undenkbar, und darum dürfen sich die Teilnehmer zum Abschluss auf ein rustikales Hirtenessen freuen.

Mit einem sardischen “Adiosu” verabschiedet sich für heute

Joachim Waßmann

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