Naturschutz auf Sardinien

Eigentlich war es nur Glück, dass Sardiniens natürliche Resourcen im Zuge der touristischen Entwicklung nicht, wie anderswo, durch  Investoren im „Dienst“ des Tourismus ausgebeutet wurden.

In Sardinien gibt es viele naturnahe unverbaute Küsten.

Als in 60-ziger Jahren Aga Khan per Zufall die Nordküste Sardiniens entdeckte und der Gemeinde Arzachena die Costa Smeralda „abschwatzte“, hatten skrupellose Geschäftemacher anderswo im Mittelmeer schon längst Fakten geschaffen, ehemals attraktive Strände mit Beton und Bettenburgen zugepflastert und damit unwiederbringlich geschädigt. Überall wurden um die Wette Hotels und Strukturen hochgezogen, um sonnenhungrige Mitteleuropäer ans Mittelmeer zu locken. Je mehr, desto besser. Rücksicht auf die Natur, nachhaltige Planung? Fehlanzeige!

Der Hafen von Porto Cervo

Anders Aga Khan. Der erkannte schon damals die Grenzen des Wachstums. Er war zwar steinreich, aber als Oberhaupt einer islamischen Glaubensgemeinschaft auch tief religiös. Und darum ging er die Entwicklung seiner Costa Smeralda verantwortungsvoll und mit großem Respekt vor Gottes Schöpfung an. (Dieser Hinweis als Beitrag zur derzeitigen Islam-Debatte.)

Man mag darüber geteilter Meinung sein, ob er damit Trendsetter des „sanften Tourismus“ wurde oder nicht, jedenfalls wurden in Sardinien Standards umgesetzt, die neu waren und bis heute als vorbildlich gelten dürfen. Rigorose Bauvorschriften zum Schutz von Umwelt und Natur gehören dazu. (Darüber habe ich in diesem Blog schon berichtet.) Es wurden aber auch zahlreiche Naturschutzgebiete an Land und sogar vor der Küste unter Wasser (!) ausgewiesen. Da geht gar nichts! Sogar der Zutritt ist limitiert! Eines davon ist das von Porto Conte, unweit von Aga Khans Küste der Reichen und Schönen.

Porto Conte

Porto Conte bietet dem Besucher besondere Sehenswürdigkeiten. Der Park soll das empfindliche Ökosystem der Gegend schützen. Er umfasst eine Fläche von 5.350 Hektar und beherbergt eine Pflanzen- und Tierwelt, die für Wissenschaftler zu den interessantesten und bedeutendsten des gesamten Mittelmeerraums zählt.

Die Oberflächengestalt des Parks ist recht vielfältig: Die Küste reicht von Punta Giglio bis Capo Caccia, das daran grenzende Hinterland besteht aus flachen Hügeln und Ebenen. Die Vegetation besteht aus Jahrhunderte-alten Steineichenwäldern, dazwischen die typische Mittelmeermacchia mit Ginster, Mastix und Gariga. Einstmals vorhandene Nadelbaumbestände wurden wieder aufgeforstet.

Im Park überleben Tiere wie z.B. der Gänsegeier, der das Wahrzeichen der Halbinsel von Capo Caccia ist. Von allen europäischen Raubvögeln hat er die mächtigste Flügelspanne. Er zählt zu den seltensten Geierarten und ist vom Aussterben bedroht. Die häufigsten Säugetiere sind das Wildschwein, Fuchs, Wiesel und andere Kleinraubtiere, der Damhirsch, das Mufflon, wilde Ziegen und das kleinste Säugetier der Welt, die nur auf Sardinien vorkommende Zwergspitzmaus.  „Suncus etruscus“ ist ihr lateinischer Name, wiegt nur ein bis zwei Gramm und ist so groß wie eine Fingerkuppe. Dafür schlägt ihr Herz rasend schnell, bis zu 1300 Mal pro Minute. Weltrekord! Man kann sich vorstellen, dass diese Minimaschine bei einer so hohen Drehzahl rasend viel Treibstoff braucht. Den findet sie hier glücklicherweise; denn auf Sardinien sind Herbizide so gut wie unbekannt. Es gibt also eine große Vielfalt an Insekten, und so lange es die gibt, hat die Zwergspitzmaus gute Überlebenschancen.

Zusätzlich wurden vor etwa dreißig Jahren sogar noch –  Programm Arche Noah – die auf der nahen Insel Asinara bedrohten Wildpferde und -esel hierher verbracht und damit gerettet.
Das alles wartet auf Ihren Besuch! Sie finden dieses Kleinod von Natur an der Nordwestküste. Das Meer erscheint hier noch kristallklarer als anderswo und schillert in verführerischen Blautönen.

In Zusammenarbeit mit dem sardischen Forstbüro werden geführte Touren organisiert. Das Angebot enthält vier verschiedene Varianten, die alle reizvoll, interessant und lehrreich sind. Nehmen Sie daran teil oder besuchen Sie ein anderes Reservat auf Sardinien. Es lohnt sich immer!

Eine einzige Bitte habe ich: Zeigen Sie Respekt vor der Natur! Vermeiden Sie alles, was ihr schaden könnte. Verhalten Sie sich so, dass sie auch nach Ihrem Besuch genau so unberührt erscheint wie zuvor!

Mit einem sardischen “Adiosu” verabschiedet sich für heute

Joachim Waßmann

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