Nuraghen Siedlungen auf Sardinien - geheimnisvolle Zeugen der Vergangenheit

Sardinien ist einzigartig – regelmäßige Leser dieses Blogs und all jene, welche die Insel aus eigener Anschauung kennen, wissen das. Deshalb wird es nicht verwundern, dass die Bewohner von Sardinien in der Frühgeschichte Bauwerke schufen, die es in dieser Form nirgendwo sonst auf der Welt gibt: Die Nuraghen – rätselhafte, gigantische Turmbauten, die das Gesicht der Insel bis heute prägen. 7.000 von ihnen sind noch (mehr oder weniger gut) erhalten, das entspricht in etwa einem Turm auf drei Quadratkilometern. Archäologen gehen davon aus, dass es ursprünglich mehr als 10.000 von ihnen gab.

Die Nuraghen – rätselhafte, gigantische Turmbauten, die das Gesicht Sardiniens bis heute prägen

Wer waren die Nuragher?

Die Nuraghen-Kultur Sardiniens taucht erstmals um 1.800 v. Chr. in den Überlieferungen auf; die Epoche der Nuragher endet um 250 v. Chr. Seitdem geben die imposanten Steintürme auf Sardinien der Nachwelt Rätsel auf, denn die Nuragher selbst haben keine schriftlichen Zeugnisse hinterlassen. Einer Legende des antiken Griechenland zufolge wurden die Nuraghen von Daedalus erbaut, nachdem er das Minotaurus-Labyrinth auf Kreta und einen Apollon-Tempel auf Sizilien vollendet hatte; griechische Historiker und Geographen jener Zeit bezeichnen sie deshalb als “daidaleia”. Der Begriff “Nuraghen” hingegen wurde bereits von den Römern verwendet, die seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. Sardinien beherrschten. Der genaue Ursprung dieser Bezeichnung ist unklar, aber der Wortstamm “nur” findet sich im Mittelmeerraum in Wörtern, die einen Haufen oder eine Höhle bezeichnen.

Nuraghen Siedlungen auf Sardinien - geheimnisvolle Zeugen der Vergangenheit

Die Nuraghen auf Sardinien geben Forschern noch immer Rätsel auf

Auch die genaue Funktion der Nuraghen für die frühgeschichtlichen Bewohner Sardiniens ist unter Forschern umstritten. Waren sie die Residenzen von Stammeshäuptlingen, Verteidigungsanlagen, Versammlungsplätze, Tempelbauten, Wohnbauten, Gräber oder eine Kombination aus einem oder mehreren dieser Dinge? Was auch immer der Zweck dieser Bauten war, die nuraghischen Baumeister auf Sardinien verwendeten Techniken, die sicher stellten, dass ihre Werke die Jahrtausende überdauern konnten. Ohne Mörtel schichteten sie die teilweise tonnenschweren Blöcke einsturzsicher übereinander.

Su Nuraxi, die am besten erhaltene Nuraghen Siedlung Sardiniens

Wer sich selbst einen Eindruck von diesen steinernen Zeugen der Vergangenheit verschaffen will, muss auf der Insel nicht lange suchen. Ein paar besonders sehenswerte Exemplare sind unten auf der Karte verlinkt. Zum Einstieg sei hier besonders ein Besuch der am besten erhaltenen Großnuraghe Su Nuraxi empfohlen, die 1997 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde und die im Rahmen von Führungen besichtigt werden kann. Der Turm thront inmitten der Überreste einer Nuraghen Siedlung, deren runde Mauern noch gut zu erkennen sind. Nach 600 v. Chr. zerstörten die Punier Su Nuraxi und die Anlage geriet allmählich in Vergessenheit. Erst Anfang der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts wurde der eindrucksvolle Komplex von Archäologen ausgegraben und erlaubt seitdem Einheimischen wie Besuchern einen Einblick in die geheimnisvolle, versunkene Welt der Nuragher.

Mit einem sardischen “Adiosu” verabschiedet sich für heute

Ihr Joachim Waßmann

 

Bilder: Su Nuraxi von Pjt56, Creative-Commons-Lizenz; Zentraler Turm der Nuraghe Santu Antine von Fawcett5, Public Domain

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